Posted by FP On August - 5 - 2014 0 Comment

Die WM ist vorbei und neben herausragenden Spielen, interessanten Schiedsrichterentscheidungen und allerlei anderen Kuriositäten lässt sich vor allem eines festhalten: Die Variabilität dominierte in den taktischen Bereichen. Wurden die letzten Großturniere noch vom 4-2-3-1 geprägt, zeigte sich diese WM äußerst variabel. Es gab viele Mannschaften, die mit einem 3-5-2/5-3-2 agierten, oftmals aber sogar in ein 4-3-3 verfielen, mal mit einem 5-2-3 spielten oder sogar defensiv ein 6-3-1 anboten. Besonders interessante Mannschaften diesbezüglich waren sicherlich die Holländer, die Chilenen, die Mexikaner oder auch die Costa Ricaner. Holland war schon vor der WM ein großes Thema bezüglich der Taktik, weil van Gaal es tatsächlich wagte, vom holländischen 4-3-3 abzuweichen und mit einem 3-5-2 zu spielen. Er verzichtete also auf die klassische Flügelzange, stellte Robben als zweiten Stürmer auf und zeigte sich defensiv extrem variabel: Holland verschob häufig und zeigte oftmals im Laufe nur einer Partie verschiedenste Defensivstaffelungen, sodass selten sogar eine Viererkette zustande kam, wenn Martins Indi als LIV auf LV ging und rechts entweder der ballferne DM übernahm oder häufiger der nominelle rechte Flügelspieler sich tiefer positionierte. Solche Verschiebungen zeigte Mexiko allerdings noch viel häufiger, sodass ihre Abwehr praktisch ständig zwischen einer Viererkette oder Fünferkette wechselte, wobei der ballnahe Spieler zumeist extrem viel Freiheiten im Herausrücken besaß.

Auch offensiv zeigte sich die Veränderung an vielen Stellen. Nicht nur, dass Holland ohne Flügelstürmer agierte, auch Deutschland beispielsweise verzichtete im Laufe des Turniers häufig auf offensive Außenverteidiger und nutzte diese nicht, wie sonst so häufig, zum Hinter- oder Vorderlaufen, sondern lediglich als Breitengeber und maximal kurze Durchspielstation. Dementsprechend mussten die offensiven Außen bei Deutschland auch anders agieren und zogen wesentlich häufiger früh in die Mitte oder mussten das zentrale Mittelfeld zur Kombination nutzen. Vor allem Khedira und Kramer in seinen wenigen Minuten zeigten dabei offensiv verstärkte Präsenz und gaben vor allem rechts immer wieder den Box-to-Box-Player, der nicht nur Räume schafft, sondern auch für kurze Ablagen der offensiven Mittelfeldspieler zur Verfügung stand. Dass diese Spielweise so gut aufging, ist sicher auch der herausragenden Fähigkeiten von Neuer geschuldet. Die deutsche Elf stand, obwohl sie eben mit defensiveren AV agierte, meist extrem hoch und kompakt, sodass die drei ZM eben als Anspielstation dienen konnten, was wiederum nur möglich war, weil Neuer alleine oftmals das gesamte Drittel im eigenen Feld oder manchmal sogar nahezu die gesamte Hälfte abdeckte. Deutschland schaffte es somit, das Spielfeld zumindest offensiv eng genug zu halten, um Anspielstationen und Pressing effektiv anzubinden.