Posted by FP On August - 5 - 2014 0 Comment

Es wurde viel debattiert, über falsche Entscheidungen, nicht gegebene Elfmeter, schlechte Linienrichter und hier und dort auch über mögliche Bevorteilungen durch die Ansetzung der Unparteiischen. Gerade letzteres ist wohl schwer wirklich sachlich zu behandeln und auch über einzelne Szenen kann man zwar streiten, sie als Fehler deklarieren oder für nicht so wichtig abstempeln – wirklich interessant scheint es aber dann zu werden, wenn man sich die allgemeine Linie der Schiedsrichter anschaut; also unabhängig von den Fehlentscheidungen.

Vor der WM hat Urs Siegenthaler schon darauf hingewiesen, dass gerade die Brasilianer häufig taktische Fouls suchen, um den Gegner an schnellen Gegenstößen zu hindern. Diese Taktik fiel nicht nur beim Confed Cup ein Jahr zuvor auf, sondern zeigte sich auch in den bisherigen Partien – allen voran im Viertelfinale gegen Kolumbien. Wobei angemerkt werden muss, dass sich hier beide Seiten wenig schenkten und am Ende somit die Rekordzahl von 54 Fouls in 90 Minuten stand (und das, obwohl einige klare Situationen vom Schiedsrichter nicht einmal geahndet wurden). Das alleine mag noch nicht einmal auffällig oder exemplarisch für die Linie der Schiedsrichter stehen, schließlich gab es auch bei der vorletzten EM beispielsweise zwischen England und Portugal teils überharte Partien. Allerdings zeigt sich der Unterschied schnell daran, dass zwischen Kolumbien und Brasilien gerade einmal 4 gelbe Karten verteilt wurden.

Bedenkt man jetzt noch, dass Spieler wie Marcelo, Fernandinho, Hulk und Fred trotz jeweils vier oder mehr Fouls ohne Karte durch die Partie kamen, Zuniga am Ende noch auf dem Platz stand und allgemein das Ziel häufig darin bestand, den gegnerischen Schlüsselspieler einfach nur zu foulen, zeigt sich eindeutig, dass die Taktik beider Mannschaften aufging, auch weil die Schiedsrichter es bisher durchgehen ließen. Es ist natürlich bitter, gerade für Neymar, dass er jetzt einer harten Aktion Tribut zollen muss. Dass diese harte Gangart sich im Spiel etablieren konnte, liegt jedoch zu einem großen Teil auch an der Taktik, die Brasilien selbst eingeführt hat, spätestens sichtbar daran, dass James und Cuadrado, teils überhart, zusammen ein dutzend Mal gefoult wurden – die Schiedsrichter haben diese Taktik leider zu dankbar unterstützt, nicht erst im Viertelfinale.